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  • AutorenbildDenise Romer

Kopie von Teil 16/5 - Makanis Reise über den Atlantik

Mittlerweile weckte uns die unerträgliche Hitze in den Kojen. Trotz allen Bemühungen war es uns noch nicht gelungen, die Klimaanlage in Betrieb zu nehmen. Diese hatten wir bis anhin auch noch nie gebraucht. Denn in La Rochelle waren wir froh, dass die Heizung funktionierte. Ein Austesten der Klimaanlage war bisher fatalerweise niemandem in den Sinn gekommen. Ein weiterer Punkt also auf Martin’s Liste für die Woche auf Martinique wo Makani ins Trockene gehievt werden sollte.

Durch unser Schneckentempo der letzten Nacht hatte sich unsere Ankunft nun schon mehr als einen Tag nach hinten verschoben. Anstelle von Freitag Mittag würden wir nun erst am Samstag auf Barbados eintreffen. Der Jungmannschaft merkte man nun aber langsam ihre zunehmende Missstimmung an. Verständlicherweise wollten alle endlich wieder ins Wasser.

Als den Jungs klar wurde, dass wir uns um einen ganzen Tag verspäteten, war ihre Lust ins Wasser zu springen dann nicht mehr zu bremsen. So kam Ronin mit der Idee, sich doch unter Segel an die Wakeboardleine hinters Boot zu hängen und die Heckwelle abzusurfen.



So sprang er schon bald darauf wagemutig ins Wasser. Dass dies mal wieder nicht wie erhofft funktionierte, war irgendwie schon vor der endgültigen Ausführung klar.  Das Aufstehen auf das Surfboard meisterte Ronin ohne Probleme. Doch schliesslich stürzte er dann doch und das Board versank unter ihm im Wasser. Da das Wakeboardseil fix mit dem segelnden Schiff verbunden war und daran das Surfboard hing kann man sich das Ende der Geschichte ausmalen. Das Board fungierte als Anker und mit einem Ruck riss die Leine am Surfboard, so dass es nun mitten im Ozean davontrieb.

Da wir immer noch mit unserem Wingaker unterwegs waren bei rund 6 Knoten Fahrt, musste dieser zuerst geborgen werden. Ich staunte, dass dies plötzlich so schnell gehen konnte. Was man nicht alles macht, um sein geliebtes Board nicht zu verlieren.

Gesagt, getan. Der Wingaker war im Schlauch gesichert und Martin startete den Motor der Yacht, um damit wieder in den Wind zu fahren. Der Rest der Crew versuchte das Board nicht aus den Augen zu lassen und ich die potentiell beim Kurswechsel herumfliegenden Gegenstände zu sichern. Martin hatte noch nicht komplett abgedreht, als Ronin und Timon bereits versuchten, das Dingi zu Wasser zu lassen. Sie konnten es kaum erwarten, damit wieder einmal eine Runde zu drehen. Selbstverständlich kam es den Beiden auch erst jetzt in den Sinn, dass das Dingi wohl keinen Sprit mehr hatte und zuerst nachgetankt werden musste. Ich schaute mittlerweile solchen Dingen gelassen entgegen. Mit jeder dieser Aktionen meiner Jungs wurde mir bewusster, dass ich A definitiv anders dachte in punkto Sicherheit und B, ich mir ruhig ein wenig Spass in mein Leben holen durfte. Auch wenn bei meinem angeborenen Hausverstand jeweils die rote Alarmglocke schrillte. Bald schon wurde das Dingi dann wieder auf dem Heck festgezurrt und unsere Fahrt fortgesetzt. 

Der Wind wurde einmal mehr immer schwächer und wir dümpelten mit Einrumpfsegelboot-Geschwindigkeit über den Teich. Genügend Zeit also sich wieder hinzulegen oder noch ein paar weiteren Unterhaltsarbeiten anzugehen. Auch wenn man es kaum für wahr halten würde, so war manchmal das Suchen von unseren Crewmitgliedern wie Ostereier suchen. Während unser Captain sich in der Segeltasche mit dem Nähen beschäftigte, entdeckte ich Timon mit genervtem Blick au seiner Koje steigen. Hinter sich schleppte er eine IKEA-Tasche voller Bier. Es stank durch die ganze Segelyacht hindurch. „ Langsam hani d Schnauze voll vo dem Bier!“, ertönte seine etwas gehässige Stimme. Anscheinend hatte es bereits wieder eine Dose geschafft zu platzen und verströmte einen Duft wie in einer Bierbrauerei. Das hatten wir doch bereits.



Kein Problem also, dann gab es halt eine erneute Bierwaschaktion im Heck des Boots. Ich spülte also etwas belustigt über die erneute Waschaktion zusammen mit Timon die kompletten Bierdosen ein weiteres Mal und wir versorgten diese dann fein säuberlich in den nun bereits leeren Gemüsekisten. 

Bald darauf stand Ronin schon wieder in der Küche. Aus dem Backofen duftete es herrlich nach frischen Brötchen. Seine konkurrenzlos gut schmeckenden Sesam-Burgerbrötchen nahmen bereits Form an und die Vorfreude aufs Abendessen stieg mit jeder Minute. Ich bin normalerweise kein Burger-Fan. Doch Ronin’s Makani-Burger waren echte Weltklasse!



Leider blies der Wind nicht wie erwünscht in dieser Nacht und da war schnell klar, dass wir es doch nicht schaffen würden die Insel noch bei Tageslicht zu sehen. Zudem hatten wir heute gefühlt den Wind aus jeder Richtung. Es war klar, dass wir eine weitere Nacht im Atlantik verbringen müssten. Martin entschied sich dafür, mit seinem Schiff über Nacht beizudrehen und seine Crew für einen weiteren Nachtdienst einzuteilen. Dies führte bei unserer Jungmannschaft anfänglich zu einem aufmüpfigen Murren. Dafür versprachen wir uns im Morgengrauen aber eine spektakulär Sicht auf unsere erste Karibikinsel. Kaum hatten wir uns zum Sonnenuntergang auf die Flybridge gesetzt rief Ronin: „Ich gseh Land!“ Und tatsächlich konnte man in weiter Ferne schemenhaft eine hügelige Landschaft auftauchen sehen. Wir hatten es geschafft! Da vorne war tatsächlich Barbados! Ich ging die Treppe hinunter und holte zwei Büchsen eiskaltes Bier aus dem Kühlschrank. Dies war der richtige Augenblick, auf das Ende unserer Überquerung anzustossen. Morgen würden wir nach fast zwei Wochen das Geräusch unserer Ankerkette wieder hören können, wenn sich unsere Makani mit dem schneeweissen, karibischen Sand unterhalb ihres Kiels vereinigt. 

Schlaf fanden wir in dieser Nacht kaum. Es war schon fast eher ein Ausharren und dies gleich doppelt. Nicht nur, dass wir nun später ankamen, auch war der Seegang in dieser Nacht wohl der Schlimmste seit langem. Makani rollte seitlich und wand sich über die Wellen, knickte andauernd ein, surfte über Wellen und wurde im Wellental abrupt abgebremst. Trotz unseres Beidrehmanövers wurde unser Trimaran mit 4knt Strömung in Richtung Barbados getrieben. Nach Martins Berechnungen sollten wir durch diese Strömung am folgenden Tag zur Morgendämmerung etwa noch 7 Seemeilen von der Insel entfernt sein.

Als mich Martin um 6 Uhr aus dem Bett holte und mir mitteilte, dass die Insel vor uns liege, war ich die Einzige der Crew, die noch nicht an Deck stand. Gerädert von der Nacht brauchte ich noch weitere 15 Minuten, um mich aufzuquälen. So stieg ich mit schlaftrunkenem Gesicht nach oben ins Cockpit. Vorne auf dem Vordeck standen die vier Jungs in Reih und Glied während Makani sich immer weiter der Insel näherte. 



Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Nach 12 Tagen auf hoher See zeigte der erste Anblick der Insel eine hässliche Betonfabrik. So kaum aus dem Schlaf erwacht fühlte es sich fast an wie ein Backflash zurück zur Insel Sal auf den Kapverden. So hatte ich mir die Karibik irgendwie nicht vorgestellt. Ich wurde aber ganz schnell von Martin’s Euphorie über die von ihm gesichteten Wellen angesteckt. Er sah nur den Dschungel und den Surfspot, den wir heute morgen ganz allein für uns haben würden. Ein Klassiker der Ausgabe ‚Das Glas ist noch halbvoll‘! Während ich schlaftrunken in meinem Mindset eine andere Vorstellung hatte als eine hässliche Fabrik war ich erneut erstaunt über Martin’s positive Lebenseinstellung. Ich hatte noch viel zu lernen und am besten würde ich mit der Ankunft auf der Insel auch gleich damit anfangen. 

Es war endlich soweit. Makani und seine Crew waren am Ausgangspunkt vieler weiterer Erlebnisse und Abenteuer angekommen. Der Anker rasselte in den weichen Sand im türkisblauen Meerwasser und vier Surfverrückte sprangen mit ihren Boards vom Schiff um in  die Wellen zu paddeln. 

Richtig gelesen, nur 4 unserer 5er Crew! Von unserem Captain fehlte jede Spur… Martin war nämlich bereits schon länger draussen bei den Wellen und tat genau das, was er am liebsten tat: SURFEN!






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