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  • AutorenbildDenise Romer

Teil 5 - Wo der Spass erst anfängt…

Langsam hatten wir uns damit abgefunden, dass wir doch noch länger im Hafen von La Rochelle bleiben mussten. In Anbetracht dessen, dass unser segelndes Zuhause jedoch auch lägst noch nicht fertig war, war dies rein theoretisch auch nicht so schlimm.

Die kommenden Tage verbrachten wir auf unserer Makani, erkundeten das kleine Städtchen und statteten dem Aquarium einen Besuch ab. Kurzum, wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen.





Dass La Rochelle ein Seglerhafen war, erkannte man nicht nur an den unzähligen Segelschiffen in den zwei grossen Häfen sondern auch daran, dass hier die Menschen ihr Segelschiff zu meinem grossen Erstaunen ohne Motor segelnd durch die Hafenanlage steuerten und ihre schwimmenden Untersätze meist gekonnt in die Boxen manövrierten. Einzig unser Boxennachbar schien mit seinem Katamaran derjenige zu sein, der mit dem Einparken so seine liebe Mühe hatte. Bewaffnet mit unseren Fendern, die wir als Gummipuffer verwenden mussten, stürmten wir jedesmal zur Backbordseite unseres Schiffs, um unsere Makani vor dem ein- oder ausfahrenden Nachbarn zu schützen. Dessen Fahrkünsten vertrauten wir auch noch Wochen später nicht und waren allzeit bereit, unser Zuhause mit vereinten Kräften zu beschützen. In Gedanken waren wir froh, dass wir in der Zukunft wohl nicht mehr so schnell in einem Hafen anlegen mussten.


Auch sonst war in der Hafenanlage viel los. Tagsüber herrschte meist emsiges Treiben. Mitten unter den einfahrenden Segelbooten befanden sich nämlich auch die Segelschulen, die Motorbootfahrschulen, Windsurfer, Wingfoiler und auch Ruderboote. Die Meter zwischen den einzelnen Bootsstegen wurde platzmässig bis zum Äussersten ausgereizt obwohl der Hafen sehr grosszügig konzipiert war. 

Angesteckt vom Windvirus holten schliesslich auch wir unsere Wingfoilausrüstung aus der Luke und liessen unser Dingi ins kalte Nass.

Mit Neopren, Prallschutz, Helm und unserem Wingfoil bewaffnet machten Sino, Carlos und ich uns mutig auf und stürzten uns in den Hafenrummelplatz. Inmitten des Chaos versuchten wir Drei nun, die Grundkenntnisse des Wingfoilens zu erlernen.


Es braucht wohl hier nicht angemerkt zu werden, dass diese Versuche nicht sonderlich von Erfolg gekrönt waren. Die immer wieder durch die Biskaya einrollenden Sturmtiefs trugen böige und zum Teil sehr starke Winde bis in die Hafeneinfahrt, begleitet von kabbeligen, kreuz- und querlaufenden Wellen. Auch die Kombination meines 95 Liter Wingfoilboards mit dem 5m2 Wing erschwerten uns das Lernen dieser noch ziemlich jungen Trendsportart. Auch Carlos, unser ältestes Crewmitglied, kämpfte tapfer und kampflustig mit dem Funsportgerät und liess sich vom Wing kreuz und quer durch das Wasser schleifen. Dabei trug der Wind sein Gefluche und die Verwünschungen durch die ganze Hafenanlage.


Mit unserem Dingi schleppten wir ihn unzählige Male wieder ins Luv des Windes. Ich bewunderte dabei seine Hartnäckigkeit und seine Ausdauer. Selbst seine, durch einen Zusammenprall mit dem Wing eingefangene, blutende Nase konnten seine unermüdlichen Versuche nicht stoppen. Ich war sicher, dass er mit seinem Elan bei besseren Wetterverhältnissen das Foilen ziemlich schnell lernen würde.




In den kommenden Tagen wurden wir immer mutiger und schon wagten wir uns mit unseren Versuchen zur Hafenausfahrt hinaus in den nach La Rochelle führenden Fahrkanal. Dort erhofften wir ein wenig konstantere Windverhältnisse als in der Abdeckung der vielen Segelboote im Hafen. Ohne uns zu viele Gedanken zu machen, übten wir stundenlang mit dem Wing und dem Foilboard in den ziemlich dreckigen Fluten des Wassers.


Da ich auch nur ein paar wenige Stunden Vorkenntnisse mit dem Wing besass, war ich erstaunt, wie kräftig die Sicherheitsleine, welche an meinem Handgelenk befestigt war, an diesem zerrte und der Wing immer wieder rücklings mit lautem Krachen auf das Wasser klatschte. Ich fragte mich mehrmals, warum ich das in meinem Alter eigentlich unbedingt noch lernen wollte. Mein Ego liess es mir jedoch nicht zu, so einfach aufzugeben. Waren doch noch ältere Semester mit dem Wingfoil unterwegs, als ob es das Leichteste der Welt wäre. Das konnte und wollte ich so nicht stehen lassen. Also übte ich fleissig weiter und schluckte meinen Ärger über meine Bewegungslegasthenie einmal mehr runter. Irgendwann, so schwor ich mir, würde ich sicher eine liebevollere Beziehung mit diesem Sportgerät eingehen.


In meinen Ruhepausen auf dem Foilboard zwischen meinen Kämpfen mit dem Flügel beobachtete ich die vorbeifahrenden Winger und mir wurde klar, dass wir wohl mit unserem 5er mehr als nur überpowert unterwegs waren. Hatte doch die vorbeiflitzenden Tücher gerade mal 2.5m2. Unser kleinster Wing war immer noch stolze 4m2 und somit immer noch viel zu gross. Damit mussten wir uns nun aber wohl oder übel begnügen. So kämpften wir also tagelang weiter mit dem Funsportgerät. Warm damit wurden wir aber nicht so wirklich. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man anstelle diese Stücks Tuch gerade so gut auch eine IKEA-Tasche in die Lüfte halten konnte. Ein angemessenes Flugverhalten konnte ich nicht entdecken. Dass man diesen Wing auch noch mit einer Schnur trimmen musste konnten wir da noch nicht ahnen und wurde uns erst ein paar Wochen später lachend von Ronin erklärt. Kein Wunder war die Performance dieses Segels etwa so gut wie ein Meerschweinchen auf der Pferderennbahn.


Ich war gerade im Begriff meine Versuche für den heutigen Tag einzustellen und winkte Sino mit dem Dingi zu mir heran. Fast am Ende meiner Kräfte aufgrund des starken Windes und mittlerweile kalten Wassers wegen des nahenden Winters war ich froh, dass ich nun zum Boot zurückgeholt wurde.

Ein Blick in das jedoch ziemlich ratlose Gesicht von Sino und sein Schulterzucken auf dem Dingi verrieten mir, dass wohl etwas gerade nicht ganz so seinen Vorstellungen entsprach. Und meinen wohl erst recht nicht. Ich sah Sino im Dingi nach, wie er irgendwie versuchte unser Beiboot wieder zum laufen zu bringen während er mit den Flutwellen immer weiter in Richtung La Rochelle durch die Fahrrinne der Fähre gespült wurde.

Auf mich alleine gestellt versuchte ich also tapfer mit meinem Wing und dem immer stärker werdenden Wind wieder bis zum Eingang unseres Hafens aufzukreuzen. Dieses Vorhaben misslang gewaltig. Gefühlt konnte ich nur gerade mal Höhe halten.

Meine Blicke schweiften hilfesuchend übers Wasser. Doch weit und breit war keine Rettung in Sicht. Weiter oben erblicke ich Martin auf seinem Windsurfbrett, der sichtlich Gefallen an den Wellen und dem vorherrschenden Wind gefunden hatte und definitiv in seinem Element war. Er ahnte wohl kaum, in welcher Misere wir da weiter unten schon wieder mal steckten.

Nach weiteren qualvollen und endlos erscheinenden Minuten erblickte ich plötzlich ein Motorboot mit Blaulicht, welches an mir vorbeischoss. Als ich diesem nachschaute wie es direkt auf unser Dingi zuhielt wusste ich, dass dieses zu Sino's Hilfe unterwegs war. Und tatsächlich fuhr das Boot der Capitaneria mit unserem Dingi im Schlepptau wenig später auch schon an mir vorbei. Wenigstens einer von uns, der schon mal gerettet wurde. Warum diese mich nicht ebenfalls mitgenommen hatten blieb mir schleierhaft.


Gefühlt dauerte es für mich noch eine endlose Zeit bis Sino, diesmal zusammen mit Carlos, auf unserem Dingi wieder neben mir auftauchte. 

Für den heutigen Tag hatten wir genügend Action erlebt und erklärten den Wingfoilunterricht für beendet. Wir waren uns einig, dass wir für einen weiteren Versuch nun definitiv auf angenehmere Winde und Wassertemperaturen warten würden. Hoffentlich schon bald auf den kanarischen Inseln.  




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1 Comment


ao-tiger
Jan 08

Suuuuper geschrieben. BRAVO! Danke fürs virtuelle mitnehmen und teilhaben lassen. Angie 💫

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