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  • AutorenbildDenise Romer

Teil 10 - Auf dem Weg zu den Kanaren

Es ist vollbracht. Wir haben tatsächlich schon fast die erste Etappe hinter uns gebracht. Vor uns liegt der Hafen von Cascais. Tim wird uns noch heute morgen verlassen und zurück in den Winter nach La Rochelle fliegen. Ab nun würden wir auf uns alleine gestellt sein. Was würden wohl noch für weitere Abenteuer auf uns warten? Ich war gespannt und zeitgleich ein wenig nervös. Obwohl ich nun erfolgreich als Segelanfängerin die Biskaya überquert hatte warteten in den kommenden Tagen noch ein paar weitere Challenges auf uns. Die Etappe vom Festland auf die Kanarischen Inseln. Dort würde voraussichtlich wohl auch die Reise von Carlos und mir fürs Erste enden. Wie schnell die Zeit doch nun vergangen ist. 

In Cascais angekommen machten Martin und ich uns mit Tim auf den Weg zur nächsten Bäckerei. Im Strassencaffee warteten wir die letzten Minuten gemeinsam auf sein Taxi. Am Gesichtsausdruck von Tim zu urteilen wäre er definitiv gerne bei uns geblieben. Das foilen und wakeboarden auf dem offenen Meer war wohl auch für ihn ein unvergessliches Highlight gewesen. Zumindest konnte ich mir nicht vorstellen, dass eine andere Segel-Crew auf solche verrückte Ideen kommen könnte. 

In Cascais herrschte bereits weihnachtlicher Betrieb und die Weihnachtshäuschen waren der Promenade entlang aufgereiht. Ich freute mich schon auf ein bisschen Kitsch und hoffte darauf hier einen Glühwein ergattern zu können. 




Den Rest des Tages verbrachten Martin und ich damit, ein paar Einkäufe zu erledigen, um unsere Lebensmittelvorräte für die nächsten Tage aufzufüllen. Zudem mussten diverse Sachen fürs Boot wieder ersetzt werden. Die Jungs vollführten in der Zwischenzeit ein wahres Kunstwerk und brachten unsere Makani in einer grossangelegten Reinigungsaktion wieder auf Vordermann. 




Weiter ging unsere Reise der portugiesischen Küste entlang in die Bucht von Alvor. Dort platzierte Martin seine Makani am späteren Nachmittag unübersehbar in die Mitte der kleinen Lagune. Voller Stolz wurde der neue Anker ins Wasser gelassen, gefolgt von der roten Ankerboje. Hier war definitiv der perfekte Ort für ein Drohnenvideo. 




Der neue Tag brachte uns auch schon wieder eine neue Bescherung. Bereits noch vor dem Frühstück stellten wir fest, dass unsere schöne, neue Ankerboje fehlte. Am Bug hing nur noch die zerfetzte Schnur. Die Jungs schlussfolgerten, dass unsere Boje in der Nacht wohl von einem Fischerboot überfahren worden war. Somit mussten wir nun wohl fortan ohne Ankerboje auskommen. Diese zu ersetzen wäre nicht nur wieder ein weiterer Kostenpunkt sondern auch ein Punkt auf der Liste „Schön zu haben, aber eigentlich nicht unbedingt nötig“. (An dieser Stelle muss ich mal anmerken, dass dies reine Überlegungen von mir sind und meistens nicht mit dem der Jungs übereinstimmte).

Für Carlos war heute ein Kontrolluntersuch im Krankenhaus angesagt. Hatte er sich  auf dem nassen Steg in La Rochelle anlässlich unserer kleinen Feier zu Ehren von Martins Geburtstag eine Verletzung am Ellbogen zugezogen. Auf die genaueren Umstände des Unfalls werde ich hier aus interner Makani-Geheimhaltungspflicht nicht eingehen. Aber dass nicht nur der nasse Steg morgens um 3 Uhr zu dieser Misere beigetragen hatte, kann sich ja jeder selbst ausmalen.

So begaben wir uns also mit dem Beiboot in den Hafen von Alvor wo Martin und ich mal wieder die Einkaufstüten füllen wollten. Ebenso versuchten wir im angrenzenden Portimào noch fehlendes, beziehungsweise abhanden gekommenes oder in den Tiefgründen der Makani spurlos verschwundenes Bootszubehör zu ergattern und zu ersetzen. 

Unser Taxifahrer, der uns zum Bootszubehörladen fuhr war ein etwas kauziger und von oben bis unten tätowierter Rocker in den Mittfünfziger. Auf dem Rückweg zum Hafen staunte ich nicht schlecht, als ich plötzlich bemerkte, dass der Typ zu Liedern der deutschen Kult-Rockband ‚Rammstein‘ sein Bestes gab und fröhlich auf Deutsch die Lieder mitsang. Das hätte ich nun tatsächlich nicht erwartet und führte bei uns auf der Rückbank zu schallendem Gelächter.

Mit voll gefüllten Taschen ging es am späteren Nachmittag zurück zur Makani. Hatten wir tatsächlich praktisch alles was uns noch fehlte in dem Dorf auftreiben können. Von Carlos hatten wir den ganzen Tag nichts gehört. Ich begann mir langsam ein wenig Sorgen zu machen. War er nun schon seit vielen Stunden weg und es wurde langsam wieder Nacht. Schliesslich konnten wir ihn dann telefonisch doch noch erreichen und er teilte uns mit, dass er wohl noch länger im Spital bleiben musste. Nicht aufgrund der Verletzung sondern mehr aus Gründen der vor Ort gesetzten Prioritäten. Die Kontrolle seiner Rissquetschwunde gehörte bei den Portugiesen definitiv in die Kategorie „unwichtig“. So vergingen nochmnals viele weitere Stunden, bis wir Carlos schliesslich gegen Mitternacht wieder im Hafen von Alvor mit unserem Dingi abholen konnten.

Nach ein paar letzten Besorgungen im Städtchen und Vorbereitungen auf dem Boot waren wir am nächsten Abend bereit wieder in See zu stechen. Gemäss Martin’s Berechnungen würden wir gegen Mitternacht lossegeln, um ein optimales Zeitfenster für die Weiterfahrt zu den kanarischen Inseln zu erwischen. Es blieb also noch genügend Zeit für ein gemütliches Abendessen. Die anschliessende Wartezeit verkürzte sich Timon damit, uns wohl die beste Rüeblitorte aller Makani Zeiten zu backen. Dieser Erstversuch seiner Bäckerskunst war definitiv mehr als gelungen und eine wahre Gaumenfreude. Einmal mit dem Backfieber angesteckt zauberten Ronin und Timon dann schliesslich auch noch zeitgleich diverse Weihnachtsguetzli. Schliesslich war es ja schon fast der 1. Advent. Der feine Duft, der aus dem Ofen strömte, liess uns das Wasser im Mund zusammenlaufen und brachte uns eine vorweihnachtliche Stimmung auf unser Schiff.



Nach vollbrachter Arbeit verzog sich die Nachtschicht für ein Powernap in ihre Kojen. Martin und Sino machten sich unterdessen auf den Weg zum Bug, um den Anker zu hissen. Ich stand im Steuerstand und manövrierte das Schiff unter Motor die Einfahrt der Bucht entlang langsam hinaus in die Dunkelheit. Als die zwei Jungs dann auf dem Steuerbordschwimmer zurück zum Cockpit liefen erfasste am Ausgang der Bucht eine gigantische Welle das Boot und zwang Makani gehörig in die Knie. Sino und Martin konnten sich gerade noch rechtzeitig an der Reeling und den Wanten festhalten um nicht in die Fluten gestürzt zu werden. Gut, dass die Schwimmwesten nachts immer Pflicht waren. Ich kam mit einem leichten Schrecken davon. So etwas kann schnell einmal böse ins Auge gehen. Genau in solchen Momenten weiss man wieder, wie die Sicherheit auf einem Boot, besonders nachts zum obersten Gebot gehörte. Zugleich wusste ich, dass die Gemütlichkeit ab sofort für die nächsten Studen ein Ende gefunden hatte.

Der Wind draussen wurde immer stärker und somit setzten wir gleich das erste Reff. Damit hofften wir, dass wir nun in den nächsten Stunden ohne Probleme weitersegeln konnten. Leider kam es kaum eine Stunde später zu einem weiteren Vorfall. Aufgrund einer kurzen Unachtsamkeit bei einem Fahrmanöver wickelte sich unser Genaker plötzlich um die Saling und hinterliess einen grossen Riss im roten Segel. Fürs Erste musste wir somit nun ohne den „Geni" auskommen und hofften, dass der Schaden nicht allzu gross war.

Der nächste Tag brachte uns dann endlich gemütlichere Segelbedingungen und auch unsere Freunde, die Delfine begleiteten unser Segelschiff auf ein paar wunderschönen Seemeilen.

Der Wind schlief jedoch unerwartet immer mehr ein und verzögerte unser Vorankommen. Für die Jungs jedoch kein Problem, denn die Bedingungen waren nun ideal, um ein paar frische Fische ins Boot zu ziehen und auch, um wieder einmal ein Wäschetag einzulegen. Petri heil liess auch nicht lange auf sich warten und fast zeitgleich zogen die Jungs 3 Fische aus dem Wasser. Da ich mich bisher noch nie mit Fischen beschäftigt hatte, wusste ich auch nicht, was für ein Rasse diese waren,  geschweige denn, ob man die überhaupt essen konnte. Sie machten jedoch den Anschein, als ob es für ein Nachtessen mit der gesamten Crew reichen würde.





Der fast windlose Tag wurde dann schliesslich auch noch genutzt, um den Schaden am 170m2 grossen Genackersegel zu inspizieren und notdürftig mit Panzertape zu reparieren. Es war jedoch klar, dass dieses Segel für diese Überfahrt nur noch sehr bedingt einsatzfähig war.




Nach 5 Tagen auf See hatten wir am 4. Dezember beim Eindunkeln wieder Land in Sicht. Wir steuerten die Bucht von Femara auf Lanzarote an. Dort würde schon Pino, ein Freund von Martin, auf uns warten. Pino würde die nächste Woche auf den kanarischen Inseln mit uns verbringen und die Jungs in die Grundlagen des Tauchens einweisen. Ein weiteres Spielzeug, dass wir aus unseren Schwimmern zaubern konnten und dessen Handhabung wir noch zu erlernen hatten. Schliesslich wusste man ja nie, wann es einmal nötig war, Bootsreparaturen unter dem Wasser zu erledigen. Wie schnell dies dann Wirklichkeit wurde, konnten wir da noch nicht erahnen. Aber diese Story wird unser Kapitän dann sicher zu einem späteren Zeitpunkt zum Besten geben.

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