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  • AutorenbildDenise Romer

Teil 13 - Wiedersehen auf den Kapverden

Nach fast 2 Monaten zurück in der Schweiz war es endlich soweit. Am 8. Februar ging mein Flug zurück auf die Kapverden. Der nächste Teil des Abenteuers Makani wartete auf mich. Von hier würde Makani schon bald über den Atlantik segeln. Doch bis dahin wartete noch einiges auf die Crew.

Als mich Martin am Flughafen auf Sal abholte hat er wohl meinen nach Meer, Wind und Wellen ausgehungerten Blick sofort gespürt. Kaum war ich an Board von Makani angekommen, wurde bereits der Anker hochgezogen und der Ankerplatz aus der Industrie-Bucht von Pedra de Lume auf Sal gegen den schönen weissen Sandstrand auf Boa Vista getauscht.

Was für ein herrliches Gefühl mal endlich wieder am Kite zu hängen. Glücklich zog ich an der Bar und setzte zum 1. Sprung an. Meine Augen fixierten den Landepunkt und gerade konnte ich noch der aus dem Wasser auftauchenden Schildkröte ausweichen. Irgendwie Wahnsinn! Im türkisfarbenen warmen Wasser mit Schildkröten zu kiten war schon ein absoluter Traum. So durfte das ruhig weitergehen. Sogar Martin liess sich kurz vom Kitefieber anstecken und zog seine Bahnen begleitet von Ronin auf dem Dingi. Hier war es definitiv einiges schöner als auf Sal. Schon Tags darauf das nächste Highlight. Die Wellen waren schon frühmorgens perfekt, um mein kleines blaues Anfänger-Wellenreitboard wieder mal ins Wasser zu werfen. So paddelten Martin und ich schon vor dem Frühstück los und erfreuten uns an den kleinen, aber schönen, sich vor uns auftürmenden Wasserbergen.

Schon nachmittags segelten wir jedoch zurück nach Sal, da Ronin und Timon unbedingt zu den grösseren Wellen zurück wollten. Da die Kapverden aber auch noch anderes zu bieten hatten, verliessen Martin und ich erstmal das Wasser, um uns in die Lüfte zu begeben. In Santa Maria gab es nämlich eine Zipline.




Das war ein gespanntes Drahtseil, an welchem man von einem Felsvorsprung in die Tiefe gleiten konnte. Für uns ehemalige Gleitschirmpiloten ja eigentlich ein Klacks. Hätten wir nicht beide schon unsere nicht ganz so schönen Erfahrungen gemacht und somit war es für uns mal wieder ein Erweitern der persönlichen Komfortzone. Doch wie es immer so ist im Leben, man kommt nicht weiter ohne sich aus der Wohlfühlzone zu begeben. Seit ich im Oktober der Makani-Crew beigetreten bin wurde mein persönlicher Wohlfühlbereich definitiv um ein Mehrfaches multipliziert. Somit blieb uns auch diese Erlebnis in positiver und schöner Erinnerung. 

Auch Martin war nun der Meinung, dass es Zeit wurde noch weitere solche versteckten Sachen hervorzukramen, die nicht seinem persönlichen Bedürfnis nach Gemütlichkeit entsprachen. So segelten wir bereits am selben Abend los zur Bucht von Monte Leao wo sich die Jungs eine grossen Swell versprachen, um sich mit ihren Boards wieder in die Wellentürme zu schmeissen. Da es kein Anfänger-Surfspot war und ich mich noch nicht so richtig mit Foamy, meinem blauen Einsteigerbrett angefreundet hatte, nutzte ich den vielversprechenden Wind, um das Wingfoilen ein wenig weiter auszubauen. Auch Martin als eingefleischter Windsurfer war zum Schluss gekommen, dass Wingen sicher mal ein paar Stunden wert wäre, um wenigsten die Grundmanöver zu beherrschen. Ich meinerseits fühlte mich in meine Jugend zurückversetzt und nutzte die Gelegenheit, um den Windsurfprofi auch noch für eine kleine Anfängerlektion zu beanspruchen. Erstaunlicherweise hielt ich mich ganz gut und konnte sogar in die Schlaufen des Windsurfbretts schlüpfen. Von Höhe halten will ich jetzt mal nicht sprechen. Nach gut 20 Minuten war für mich dann die Luft raus, bzw. meine Energie am Ende. Windsurfen war mir definitiv zu anstrengend, auch wenn ich mir insgeheim schwor, es dennoch irgendwo mal wieder zu versuchen.

Auch Martin’s Erinnerungen an früher flammten auf und er schwärmte vom Windsurfen in den Wellen von Ali Baba. Anscheinend befand sich dieser Spot gerade um die Ecke von Monte Leao. Also perfekt, um dort mal eben kurz vorbeizusegeln. Die Wellen und der Wind schienen für sein Unterfangen perfekt zu sein. Kaum hatte Martin die Surfer in den Wellen erblickt, war sein Material bereits aus den Skipperkabinen gekramt und zusammengebaut. 




Die Situation kam mir bekannt vor. Schon vor ein paar Wochen sprang er mit seinem kompletten Equipment von Bord, um mitten im Atlantik surfen zu gehen. Ich hatte den Gedanken noch nicht mal zu Ende gedacht, als Martin bereits seinem Material nach über die Reling hechtete. Ich sah im nach, wie er gekonnt davonsurfte und in die erste Welle fuhr. Danach konnte man von ihm nichts mehr entdecken. Mit dem Feldstecher in der Hand suchte ich die Wellenkämme nach einem Lebenszeichen ab. Irgendwo konnte ich dann die Windsurfausrüstung entdecken. Von Martin fehlte jedoch jede Spur. Während ich mal wieder in Gedanken Schlimmes befürchtete meinte Ronin wie immer; „ De chunt den scho wieder. Isch jo nid s erst mol wo er mues sim Material hindeherschwimme. Irgendwo spülts ne denn scho an Land.“ 

Diese Zuversicht hätte ich auch gerne. Auch wenn ich die Jungs nun langsam kannte, waren mir die Aktionen nicht wirklich geheuer. Und für Menschen mit normalen Verstand auch relativ schwierig nachzuvollziehen. Doch es passte zu den Jungs und irgendwie genau so stellte man sich ja die tollkühnen Männer vor, die Frauenherzen höher schlagen lassen.

Je mehr Zeit die verstrich, desto unwohler wurde mir. Fast schon ein wenig verzweifelt suchte ich die Wellen ab, als ich Martin endlich in den Wassermassen entdeckte. Weit weg von seinem Material. Uns blieb nichts anderes übrig, als weit draussen auf dem Segelboot auszuharren und abzuwarten. Also ich harrte aus und die Jungs warteten ab. Wieder mal erneut auf mein Drängen hin wurde dann schliesslich das Dingi doch noch ins Wasser gelassen und Ronin machte sich auf den Weg um Martin und sein Material oder was davon noch übrig war, irgendwo einzusammeln. Gut eine Stunde später konnte auch ich erleichtert aufatmen, als ich ihn am rettenden Ufer entlang laufen sah. Es machte den Anschein, als ob er orientierungslos mal nach rechts und dann wieder nach links lief. Was er genau da machte, konnte ich auch mittels Feldstecher nicht ausmachen. Ich für meinen Teil hoffte, dass Ronin ihn unverletzt zurück brachte. Nach dem 2 Minuten dauernden Windsurf-Vergnügen und seiner Rettungsaktion war ich froh, ihn 2 Stunden später vergnügt grinsend auf dem Dingi heranfahren zu sehen. Na, auf die Story war ich ja mal gespannt!





Ungläubig starrte ich auf sein Windsurfmaterial, welches er aus dem Dingi hievte. Ihm war es tatsächlich gelungen, fast alles heil zurück zu bringen. Lachend meinte Martin, wenn ihm nicht bei der ersten Welle die Fussschlaufe gerissen wäre, dann hätte Ali Baba ihn mal rocken sehen und er hätte gerne die Gesichter der anderen Windsurfer gesehen, denen er dann weiter unten die Wellen vor der Nase weggefahren hätte. So fasste er das Unterfangen kurzerhand wie folgt zusammen: 4 Sekunden Wellenritt, 40 Minunten schwimmend in haushohen Wellen einen Landzugang finden, 40 Minunten Materialsuche an der Felsenküste und 40 Minuten Fussmarsch zurück in die Bucht wo Ronin mit dem Dingi anlanden konnte. 

Martin’s Glück war einmal mehr, dass er sein Material am Strand ohne nennenswerte Schäden einsammeln konnte. Lediglich der Mast war gebrochen und anfangs fehlte vom Gabelbaum jede Spur. Doch auch diesen konnte er nach kurzem Suchen am Strand wieder auffinden. Das war schon mehr Glück, als ein normaler Mensch an einem Tag haben konnte. Den Vogel abgeschossen aber hatte er dann noch, als er erzählte, dass genau an dem Ort wo er sich auf den Strand retten konnte zwei Flipflops rumlagen. Und ich wunderte mich noch anfänglich, dass auch seine Füsse bei der Materialsuchaktion auf den scharfen Lavafelsen heil geblieben waren. So endete auch der vorläufig letzte Windsurf-Versuch von Martin. Kaum war er wieder an Bord, sah man ihn schon grinsend am Handy mit seinem Freund Reto schreiben, welcher ihm innert Kürze Materialnachschub liefern würde. Seine Erkenntnis des Tages: „Es gseht so us, als öb halt au s Material älter wird“.  So endete also wieder ein weiterer Highlight/Katastrophentag auf der Makani. Ich war ja mal mehr als gespannt, was um alles in der Welt wohl noch auf uns zukommen würde.

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