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  • AutorenbildDenise Romer

Teil 6 - Tage wie diese...


Unser Segelboot ist auf den Namen ‚Makani’ getauft und bedeutet auf hawaiianisch Wind. Ein wunderschöner Name für ein Segelboot. Denn unser Plan war, uns grundsätzlich nur unter Segel von einem schönen Ort zum Nächsten pusten zu lassen. Der eingebaute Motor sollte dabei nur in Notfällen eingeschaltet werden. Bisher konnten wir uns nicht beklagen über zu wenig Wind. Leider meist zu viel, um den Hafen verlassen zu können. Und zusätzlich kam der Wind auch immer noch von der komplett falschen Seite. 


Einen kleinen Lichtblick hatten wir jedoch, denn die Zeichen standen gut, dass wir am 15. November endlich den Hafen für immer verlassen konnten. Dies bedeutete, dass wir erneut unseren Proviant aufstocken mussten, um genügend Lebensmittel für die erste Etappe an Bord zu haben.


Da wir mittlerweile schon 7 Personen auf dem Törn durch die Biskaya waren, musste nun einiges mehr an Proviant aufs Boot geschleppt werden.

Timothée, der uns ebenfalls als Segel-Coach auf diesem Törn begleiten wollte, offerierte Martin, dass er uns sein Auto für die geplante Einkaufstour zur Verfügung stellen würde. So kam es, dass Tim am 14. November schon mittags bei uns stand, um uns für den bevorstehenden Einkauf abzuholen.

Da hatten wir es uns aber, aufgrund der veränderten Wettersituation, einmal mehr anders überlegt. So staunte Tim nicht schlecht, als Martin ihm mitteilte, dass wir lieber zur Ile de Ré fahren würden, um dort dem Wassersport zu frönen. Und schon wanderten, vor den ungläubigen Augen von Tim, auch sogleich unsere Windsurf- , Kitesurf- und die Wingausrüstungen in dessen Transporter.




Tim, sichtlich begeistert von dieser Idee bereute, dass er seine Wingausrüstung nicht dabei hatte. Kein Problem für uns, mit ihm einen kleinen Umweg zu ihm nach Zuhause zu unternehmen, um seine Ausrüstung ebenfalls abzuholen. So begaben wir uns alle voller Vorfreude auf den Weg zur vorgelagerten Insel.


Dort angekommen konnten wir es kaum erwarten, unsere Ausrüstungen aufzubauen und uns in die Fluten zu stürzen.



Martin hechtete, gefühlt noch aus dem fahrenden Transporter, als erster mit seiner Windsurfausrüstung zum Wasser. Ronin startete meinen Kite und folgte uns, zusammen mit Tim auf dem Wingfoil. Was für ein Spass für mich, das erste mal wieder kiten nach einer so langen Pause. Einfach herrlich!


Viel mehr aber freute ich mich für Martin, der seine Geburtstag ohne Gäste verbringen musste, wenigstens seinem Lieblingshobby nachgehen konnte. Ich bin sicher, dieses Geschenk des Himmel war etwas vom Schönsten, was er an diesem Tag hätte erhalten können in Anbetracht der sonst eher widrigen Umstände.


Während ich nach meiner kleinen Kiteeinheit beschloss, mein Material wieder in den Lieferwagen von Tim zu verstauen, wollten Martin und Ronin einen Downwinder zurück nach La Rochelle unternehmen, um diesen Tag mit einem kleinen Vater/Sohn-Abenteuer abzuschliessen.




Mein Blick auf die Uhr und mein innerer Angstwecker bestätigten mir, dass ich diesem Abenteuer definitiv nicht beiwohnen wollte. Jungs eben! Die machten sich da meist viel weniger Gedanken, was alles passieren könnte. Ziemlich beneidenswert.


Ich für meinen Teil wollte mir jedoch mein kleines Quäntchen Adrenalin für einen späteren Zeitpunkt aufheben. War die Uhrzeit doch mittlerweile ein wenig fortgeschrittener und die Dunkelheit würde schon bald Einzug halten. Ich sah den Beiden noch nach, wie sie zügig Kurs auf La Rochelle nahmen und setzte mich auf den Beifahrersitz zu Timothée, der mich zu unserer Makani zurückfahren wollte.



Die Dunkelheit kam so schnell wie ich es vermutet hatte und so rief ich Carlos an, um nachzufragen, ob die Jungs denn schon zurückgekehrt seien. Dies war natürlich nicht der Fall und mein Herz setzte für einen kurzen Moment aus. Mist! Wo waren die Zwei bloss stecken geblieben?

Glücklicherweise klingelte auch schon mein Telefon und Martin meldete, dass der Wind leider eingeschlafen sei und sie nun draussen beim Leuchturm noch dahindümpeln würden. Ok, ein Fall für unser Dingi oder doch eher schon für die Küstenwache? Sogleich rief ich nochmals bei Carlos an und bat ihn, die Beiden doch beim Leuchtturm einzusammeln.

Ich war heilfroh, als ich Ronin und Martin lachend und unversehrt wieder an Bord der Makani eintreffen sah. Mit viel Glück hatten es die Beiden dann auch ohne unseren hauseigenen Abschleppservice bis zum Hafen zurück geschafft. Mein innerer Gefahrenalarm hatte mal wieder recht behalten, dass die Idee für so einen Downwinder keine optimalen Vorraussetzungen gehabt hatte. Gleichzeitig überkam mich jedoch auch ein leichter Ärger über meine eigene Ängstlichkeit. Wie gerne wäre ich da mit dabei gewesen. Doch ich war sicher, dass wir auf unserer Reise noch ein paar Gelegenheiten dazu bekommen würden, gemeinsam solche Downwindausflüge zu geniessen.


Ein paar Tage später war es dann endlich so weit und unserer Makani lief das erste Mal aus dem Hafen, um genau das zu machen, wofür Martin und die Jungs das Schiff vorbereitet hatten. So sollte sie uns zu einem kleinen Wellenspot bringen, wo wir fast ungestört die Wellen abreiten konnten. Wir segelten nun also einmal mehr von La Rochelle zur Insel Ré, wo Ronin den Spot schon ausfindig gemacht hatte.

Ich für meinen Teil war wiederum heilfroh, als wir endlich wieder den Anker warfen und die Seglerei sein Ende nahm. War doch meine Übelkeit wieder auf dem Weg sich bemerkbar zu machen. Die Wellen türmten sich auch noch unter unserem Boot auf gute 1,5m auf und beförderten mein Unwohlsein auch am Anker in ein unerträgliches Mass.


So war auch ich mehr als bereit, den schwankenden Untergrund auf dem Schiff zu verlassen und paddelte schliesslich mit dem Stand up Paddleboard in Richtung Strand zu dem kleinen Surfspot. Hatte ich bisher nur auf völlig ruhigem Gewässer gepaddelt, war dies eine komplett andere Erfahrung. Ich war mir nicht ganz sicher, ob meine wackligen Knie vom SUP, vom wohl nicht vorhandenen Gleichgewichtsgefühl oder den für mich schon sehr grossen Wellen kamen. Vielleicht war es einfach auch nur pure Einbildung. Trotzdem versuchte ich mein Bestes, um wenigsten eine Welle anzupaddeln. Dies blieb jedoch ziemlich erfolglos. Glücklicherweise war Martin bereit, sein Longboard gegen mein Stand up Paddleboard zu tauschen, was mir schliesslich dann doch noch zu einem kleinen Erfolgserlebnis verhalf. Glücklich aber fix und fertig paddelte ich nach ein paar weiteren Wellen zurück zu unserem Zuhause und musste auf dem Rückweg kurz innehalten. 




Wie schön sie war! Majestätisch schaukelte Makani sich in den Wellen, im Hintergrund die langsam untergehende Sonne. Genau so hatte ich mir das vorgestellt in meinen schönsten Träumen. In dem Moment passierte wohl etwas in mir; ich verliebte mich nämlich unsterblich in unsere schöne Segelyacht. Ein Schub voller Glück durchströmte mich und liess mich erschaudern. Hier fühlte ich mich zu Hause. Genau hier gehörte ich hin!





Wenig später kamen Martin und Ronin auf den SUP’s ebenfalls zum Boot zurückgepaddelt. Die Stimmung, die uns das Himmelszelt an diesem Abend bot, war an Schönheit nicht zu übertreffen. Der Himmel färbte sich in den wunderschönsten Rottönen. Dieser Tag liess in uns allen die Erinnerungen an die gesamten vergangenen Wochen verblassen. Genau solche Tage machten es wert zu leben, glücklich und dankbar zu sein für Alles was uns hier geschenkt wurde und im Moment zu leben. Genau solche Tage wie diese… erfüllen die Herzen von uns Surfern und lassen uns abends mit einem breiten Grinsen im Gesicht einschlafen.






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